Planung und Errichtung: Francke Werke Bremen
Der Wasserturm in Hermsdorf ist ein technisches Denkmal aus der Zeit des großen Infrastrukturaufbruchs um 1900. Hinter seiner Planung steht die Bremer Firma Carl Francke – ein Unternehmen, das weit über Bremen hinaus für den Bau moderner Wasser-, Gas- und Energieanlagen bekannt war. Die Geschichte dieser Firma erzählt nicht nur von Technik, sondern auch vom Wandel der Städte in die Moderne.
Carl Francke – vom Handwerk zur Industrie
Carl Wilhelm Francke wurde 1843 in Magdeburg geboren und erlernte den Beruf des Klempners im Betrieb seines Vaters. Diese handwerkliche Prägung blieb die Grundlage seines späteren unternehmerischen Denkens. 1871 zog er nach Bremen. Nur ein Jahr später gründete er dort eine kleine Installationswerkstatt für Gas-, Wasser- und Heizungsanlagen. Die Nachfrage nach moderner Versorgungstechnik in den schnell wachsenden Städten war zu dieser Zeit enorm – und Francke traf mit seinem Geschäft genau den richtigen Moment. 1875 folgte der nächste Schritt: In der Bremer Bachstraße entstand eine größere Fabrik, aus der die sogenannten Francke-Werke hervorgingen. Aus dem Handwerksbetrieb entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein industrielles Unternehmen mit überregionaler Bedeutung.
Die Francke-Werke – Technik für ganze Städte
Die Francke-Werke spezialisierten sich früh nicht nur auf einzelne Installationen, sondern auf komplette Systeme der städtischen Infrastruktur. Dazu gehörten Gaswerke, Wasserwerke, Rohrnetze, Heizungsanlagen und später auch Anlagen der Energieversorgung. Das Unternehmen plante und errichtete solche Systeme in vielen Städten im In- und Ausland. Damit gehörte es zu einer neuen Generation von Industriebetrieben, die nicht mehr nur Produkte lieferten, sondern komplette technische Infrastrukturen für Kommunen entwickelten. Charakteristisch für die Francke-Werke war die technische Breite ihrer Arbeit: Neben Wasser- und Gasversorgung spielten auch industrielle Nebenprozesse eine Rolle. In Verbindung mit der Gasproduktion entstanden beispielsweise chemische Nebenprodukte wie Ammoniak oder Salmiak, die weiterverarbeitet wurden.
Wachstum, Organisation und Bedeutung
Mit dem Wachstum der Firma entstanden zusätzliche Unternehmensstrukturen. 1892 gründete Francke die Brema AG als zentrale Verwaltung für Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke. Die Firma entwickelte sich zunehmend zu einem Großbetrieb der technischen Infrastruktur. Zeitweise beschäftigten die Francke-Werke über tausend Mitarbeiter und zählten zu den wichtigen deutschen Unternehmen im Bereich des kommunalen Anlagenbaus. Ihr Einfluss reichte weit über Bremen hinaus – bis in internationale Projekte der damaligen Zeit.
Der Wasserturm Hermsdorf im Werk des Unternehmens
Auch im Raum Berlin war die Firma aktiv. Der Wasserturm in Hermsdorf wurde 1908/1909 im Rahmen des dortigen Wasserwerksprojekts errichtet und gehört zu den Bauwerken, die von Carl Franckes Unternehmen geplant und umgesetzt wurden. Er diente als zentraler Hochbehälter zur Stabilisierung des Wasserdrucks im Leitungsnetz und war Teil eines umfassenden Versorgungssystems für Hermsdorf und die umliegenden Ortsteile. Typisch für die Francke-Werke ist dabei die Verbindung aus technischer Funktion und gestalterischem Anspruch: Der Turm ist nicht nur ein funktionales Bauwerk, sondern wurde bewusst als markanter Punkt in der Landschaft entworfen.
Nachwirkung
Carl Francke starb 1931 in Bremen. Die Francke-Werke bestanden noch einige Jahrzehnte weiter und wurden 1957 schließlich aufgelöst. Zahlreiche ihrer Bauwerke – darunter Wasserwerke, Industrieanlagen und Wassertürme – prägen jedoch bis heute das technische Erbe dieser Epoche.
Fazit
Carl Francke steht exemplarisch für den Übergang vom Handwerksbetrieb zur industriellen Systemtechnik. Mit seinen Francke-Werken prägte er eine Zeit, in der Städte erstmals umfassend mit moderner Infrastruktur ausgestattet wurden. Der Wasserturm Hermsdorf ist ein sichtbares Relikt dieser Entwicklung – und ein Beispiel dafür, wie eng Technikgeschichte und Stadtentwicklung miteinander verbunden sind.
