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Geschichte des Wasserturms

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Pläne geschmiedet, um aus dem idyllisch inmitten von Wäldern gelegenen Hermsdorf und dem nahegelegenen Frohnau einen Kurort zu entwickeln. Auch wenn diese Ambitionen nicht realisiert wurden, so florierte dennoch der Ort zu einem bevorzugten Wohngebiet mit Beamtenwohnungen und Luxusvillen. Hermsdorf war weit von den Wasserversorgungseinrichtungen anderer Gemeinden entfernt, weshalb der Bau eines eigenen Wasserwerks eine grundlegende Notwendigkeit für die damals 4.000 Einwohner starke Gemeinde darstellte. Von der Gemeindeentscheidung im Jahr 1907 vergingen zwei Jahre, bis das Werk südwestlich des Ortes mit drei Brunnen, einem Maschinenhaus, dieselbetriebenen Pumpen, einer Enteisenungsanlage und einem Wohngebäude fertiggestellt werden konnte.

1909–1928 | Errichtung und Betrieb

Aufgrund der geringen Geländehöhen im Gemeindegebiet wurde der Standort des Wasserturms außerhalb auf Frohnauer Gebiet festgelegt. Die Wasserversorgung umfasste zusätzlich Frohnau, Waidmannslust und Lübars. Der Standort war unbebaut und wurde auf einer Anhöhe gewählt. Der Turm entstand im Stil der märkischen Backsteingotik mit Zinnen und orientiert sich formal an historischen Wehrbauten. Planung und Bau erfolgten durch die Bremer Firma Carl Francke, die zuvor bereits im Ort tätig war. Der Friedhof Hermsdorf wurde erst 1912 in unmittelbarer Umgebung angelegt.

Der Bau wurde zeitgenössisch auch künstlerisch dokumentiert. Max Beckmann, der ab 1907 in der Nähe lebte, fertigte 1909 und 1913 zwei Gemälde des Bauwerks an. In der kunsthistorischen Einordnung werden Einflüsse des Impressionismus sowie eine kritische Wahrnehmung technischer Eingriffe in die Landschaft diskutiert.

Mit der Eingemeindung Hermsdorfs nach Berlin wurde das Wasserwerk Teil der städtischen Versorgung. Es versorgte rund 14.000 Einwohner und wurde bis 1928 als Überpumpwerk betrieben. Anschließend erfolgte die Stilllegung.

1928–1945 | Stilllegung und militärische Nutzung

Nach der Stilllegung des Wasserwerks begann eine Phase ohne geregelte Nutzung. Verschiedene Konzepte, darunter eine Umnutzung als Aussichtsturm, gastronomische Nutzung oder soziale Einrichtungen, wurden entwickelt, jedoch nicht umgesetzt. Teilweise wurden ergänzende Friedhofsnutzungen diskutiert.

1938 wurde die bauliche Unzulänglichkeit der oberen Bauteile festgestellt und ein Betretungsverbot ausgesprochen. Ein geplanter Rückbau wurde nicht umgesetzt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Bauwerk als Beobachtungsstandort genutzt. Größere Kriegsschäden sind nicht dokumentiert.

1945–1978 | Eigentumsklärung und Nutzungsdiskussionen

Nach 1945 blieb die Eigentumssituation zunächst ungeklärt. 1966 wurde der Turm der Stadt Berlin zugeordnet. In der Folgezeit erfolgte eine Nutzung als Funkstandort durch das Deutsche Rote Kreuz sowie die Berliner Verkehrsbetriebe. Gleichzeitig war der bauliche Zustand stark beeinträchtigt, insbesondere durch Feuchtigkeitseintritt und blockierte Zugänge.

In den 1970er Jahren wurden verschiedene Umnutzungskonzepte diskutiert, darunter Wohnnutzung, kulturelle Einrichtungen sowie technische Alternativnutzungen. Eine Umsetzung erfolgte nicht. Die Nutzung durch technische Dienste endete 1973.

1978 wurde ein öffentliches Interessenbekundungsverfahren durchgeführt. Mehrere Konzepte wurden eingereicht, darunter Wohnnutzung, ein Schwimmbad im Wasserbehälter, ein energieautarkes Nutzungskonzept sowie kulturelle Mehrfachnutzungen. Alle Vorschläge scheiterten an fehlender Finanzierung oder ungeklärten rechtlichen Rahmenbedingungen.

1978–1996 | Stagnation und planerische Konzepte

Nach dem gescheiterten Vergabeverfahren blieb das Bauwerk ohne Nutzung. 1987 wurde eine architektonische Diplomarbeit vorgestellt, die eine Mischnutzung aus Ausstellung, Fotostudio und Wohnen vorsah. Eine Umsetzung erfolgte nicht.

Der bauliche Zustand verschlechterte sich weiter, während keine Sanierungsmittel zur Verfügung standen. Eine dauerhafte Nutzung blieb ungeklärt.

ab 1996 | Sanierung und technische Nutzung

1996 wurde ein Nutzungsvertrag mit Mobilfunkbetreibern geschlossen. Im Gegenzug für die Nutzung als Sende- und Empfangsanlage erfolgte eine umfassende Instandsetzung des Bauwerks. Dabei wurden wesentliche Bauteile wie Treppenanlagen und Dachbereiche erneuert und technisch ertüchtigt.

Die Maßnahmen erfolgten unter denkmalpflegerischen Vorgaben. Das äußere Erscheinungsbild wurde erhalten, technische Anlagen wurden optisch angepasst und in die bestehende Bausubstanz integriert.

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